Unser Kopf ist rund, damit das Denken die Richtung wechseln kann.
(Francis Picabia)
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innere einstellung oder - die kleinen leute von mimo


(nach einem alten irischen mšrchen)

Vor langer, langer Zeit lebten kleine Leute auf der Erde. Die meisten lebten in dem kleinen Dorf Mimo und nannten sich Mimos. Sie waren sehr gl√ľcklich und liefen herum mit einem L√§cheln bis hinter die Ohren und gr√ľ√üten jedermann freundlich. Was die Mimos am meisten liebten, war, einander warme, weiche Fl√§uschchen zu schenken. Jeder trug √ľber der Schulter einen Beutel, der gef√ľllt war mit warmen, weichen Fl√§uschchen.

Nun ist es besonders sch√∂n, jemandem so ein warmes, weiches Fl√§uschchen zu geben. Es sagt dem anderen: "Du bist etwas Besonderes!" Es ist eine Art zu sagen: "Ich mag Dich!". Und selbstverst√§ndlich ist es sehr erfreulich ein solches Fl√§uschchen zu bekommen. Wenn man Dir ein Fl√§uschchen anbietet, wenn Du es nimmst und f√ľhlst... wie warm und flauschig es an Deiner Wange ist... wenn Du es sanft und leicht in Deinen Fl√§uschchen-Beutel zu den anderen legst, dann ist das wundervoll. Du f√ľhlst Dich anerkannt und gesch√§tzt, wenn jemand Dir ein Fl√§uschchen gibt, und Du m√∂chtest ihm ebenfalls etwas Sch√∂nes tun.

Die kleinen Leute von Mimo gaben gerne warme, weiche Fl√§uschchen und bekamen gerne warme, weiche Fl√§uschchen, und ihr gemeinsames Leben war ohne Zweifel sehr gl√ľcklich und froh.

Au√üerhalb des Dorfes in einer kalten, dunklen H√∂hle wohnte damals ein gro√üer, gr√ľner Kobold. Eigentlich wollte er gar nicht alleine wohnen, und manchmal f√ľhlte er sich sehr einsam. Aber er schien mit niemanden auszukommen, und irgendwie mochte er es nicht, warme, weiche Fl√§uschchen zu tauschen. Er hielt dies f√ľr einen gro√üen Unsinn.

Eines Abends ging der Kobold in das Dorf und traf einen kleinen freundlichen Mimos. "War es nicht ein sch√∂ner Mimo-Tag?" fragte die kleine Person l√§chelnd. "Hier nimm ein kleines warmes, weiches Fl√§uschchen. Dies ist ein besonderes. Ich habe es eigens f√ľr Dich aufbewahrt, weil ich Dich so selten sehe." Der Kobold schaute sich um, ob niemand anderer ihn h√∂ren k√∂nnte, dann fl√ľsterte er dem kleinen Mimos ins Ohr: "H√∂r mal! Wei√üt Du denn nicht, da√ü Dir Deine Fl√§uschchen eines Tages ausgehen, wenn Du sie alle so einfach weggibst?"

Er bemerkte pl√∂tzlich einen erstaunten Blick und Furcht im Gesicht des kleinen Mannes, und w√§hrend der Kobold in den Fl√§uschchen-Beutel hineinschaute, f√ľgte er hinzu: "Jetzt w√ľrde ich sagen, hast Du kaum mehr als 217 Fl√§uschchen √ľbrig. Sei lieber vorsichtig mit dem Verschenken!". Damit tappte der Kobold auf seinen gro√üen, gr√ľnen F√ľ√üen davon und lie√ü einen verwirrten und ungl√ľcklichen Mimos zur√ľck.

Es dauerte nicht lange, da kam einer vorbei und gr√ľ√üte den kleinen Mimos freundlich. Es war ein guter Freund von ihm, mit dem er schon viele warme, weiche Fl√§uschchen getauscht hatte. Mit √úberraschung stellte er fest, da√ü er nur einen befremdeten Blick erhielt, als er seinem Freund ein warmes, weiches Fl√§uschchen gab. Dieser empfahl ihm nur, auf seine abnehmenden Fl√§uschchen zu achten, und verschwand schnell.

Noch am selben Abend soll jener Mimos anderen gegen√ľber bemerkt haben: "Es tut mir leid, aber ich habe kein warmes, weiches Fl√§uschchen f√ľr Dich. Ich mu√ü aufpassen, da√ü sie mir nicht ausgehen."

Am nächsten Tag hatte sich die Neuigkeit im ganzen Dorf verbreitet. Jedermann hatte begonnen, seine Fläuschchen aufzuheben. Man schenkte zwar immer noch welche, aber sehr, sehr vorsichtig. - "Unterscheide!", sagten sie.

Die kleinen Mimos begannen, einander mi√ütrauisch zu beobachten, und verbargen ihre Beutel mit den Fl√§uschchen w√§hrend der Nacht vorsichtig unter ihrem Bett. Es brachen Streitigkeiten dar√ľber aus, wer die meisten Fl√§uschchen hat, und schon begannen die Leute, Fl√§uschchen f√ľr Sachen einzutauschen, statt sie einfach zu verschenken.

Der B√ľrgermeister von Mimo stellte schlie√ülich fest, die Zahl der Fl√§uschchen sei begrenzt, und erkl√§rte die Fl√§uschchen damit offiziell zu Tauschmitteln. Schon bald zankten sich die Leute dar√ľber, wieviel ein Abendessen oder eine √úbernachtung kosten sollte. Es gab sogar F√§lle von Raub wegen der Fl√§uschchen. An manchen d√§mmriger Abenden war man drau√üen nicht mehr sicher, an Abenden, an denen die Mimos fr√ľher gerne spazieren gingen und einander gr√ľ√üten, um sich gegenseitig warme, weiche Fl√§uschchen zu schenken.

Das Schlimmste von allem: An der Gesundheit der kleinen Leute begann sich etwas zu √§ndern. Viele klagten √ľber Schmerzen in Schulter und R√ľcken, und mit der Zeit befiel mehr und mehr Mimos eine Krankheit - bekannt als R√ľckgraterweichung. Sie liefen geb√ľckt umher, in schlimmen F√§llen bis zum Boden gebeugt. Ihre Fl√§uschchen-Beutel schleiften auf dem Boden. Viele Leute im Dorf fingen an zu glauben, dass das Gewicht des Beutels die Ursache der Krankheit sei und dass es besser sei, sie zu Hause sicher einzuschlie√üen. Binnen kurzem konnte man kaum noch einen Mimos mit einem Fl√§uschchen-Beutel antreffen.

Der Kobold war mit dem Ergebnis seiner L√ľge zun√§chst ganz zufrieden. Er hatte herausfinden wollen, ob die kleinen Leute auch so f√ľhlen und so handeln w√ľrden wie er in seinen selbsts√ľchtigen Gedanken. Er f√ľhlte sich best√§tigt, so wie die Dinge liefen. Wenn er nun ins Dorf kam, gr√ľ√üte man ihn nicht mehr mit einem L√§cheln und bot ihm auch keine warmen, weichen Fl√§uschchen mehr an. Statt dessen starrten ihn die kleinen Leute mi√ütrauisch an, genauso wie sie einander anstarrten. Ihm war es lieber so. F√ľr ihn bedeutete dies: "Der Wirklichkeit ins Auge sehen! So ist die Welt!", pflegte er zu sagen.

Mit der Zeit ereigneten sich aber noch schlimmere Dinge. Vielleicht wegen der R√ľckgraterweichung, vielleicht auch deshalb, weil ihnen niemals jemand ein warmes, weiches Fl√§uschchen schenkte (wer wei√ü es), jedenfalls starben einige der kleinen Leute. Nun war alles Gl√ľck aus dem Dorf der kleinen Leute verschwunden und alle waren todtraurig.

Als der Kobold davon h√∂rte, sagte er zu sich selbst: "Ich wollte ihnen doch nur zeigen, wie die Welt - wirklich ist. Den Tod habe ich ihnen nicht gew√ľnscht." Er √ľberlegte, was er jetzt machen k√∂nnte, und er erdachte einen Plan. Tief in seiner H√∂hle hatte der Kobold eine verborgene Mine von kaltem, stacheligen Gestein entdeckt. Viele Jahre hatte er damit verbracht, die stacheligen Steine aus dem Berg zu graben, denn er liebte deren kaltes, prickelndes Gef√ľhl. Er entschlo√ü sich, die Steine mit den Mimos zu teilen.

So f√ľllte er Hunderte von S√§cken mit den kalten, stacheligen Steinen und nahm sie mit ins Dorf. Als die Leute die S√§cke mit den kalten, stacheligen Steinen sahen, waren sie froh und nahmen sie dankbar an. Nun hatten sie endlich wieder etwas, was sie sich schenken konnten. Das Unangenehme war nur, da√ü es nicht so viel Spa√ü machte, kalte, stachelige Steine zu verschenken, wie warme, weiche Fl√§uschchen.

Einen kalten, stacheligen Stein geschenkt zu bekommen, das war mit einem eigenartigen Gef√ľhl verbunden. Man war nie ganz sicher, was der Gebende meinte, denn schlie√ülich waren die Steine kalt und stachelig. Es war zwar nett, √ľberhaupt etwas von einem anderen zu bekommen, aber im Grunde blieb man verwirrt und oft mit zerstochenen Fingern zur√ľck.

So ging es auch einem Mimo-Jungen und er wollte von seinem Mimo-Opa wissen, weshalb man sich solche Stachelsteine schenkte, die einem nur die Finger zerstechen. Der Mimo-Opa erzählte die ganze Geschichte.

In der kommenden Nacht erschien dem Mimo-Jungen im Traum eine Fee und sagte ihm: "Beginne Du wieder, warme weiche Fl√§uschchen zu verschenken, damit wieder W√§rme und Freude unter die Mimos kommen kann. Habe Vertrauen und h√∂re nicht auf die Bef√ľrchtungen!".

So begannen einige Leute wieder, einander warme, weiche Fl√§uschchen zu schenken, und jedesmal, wenn ein Fl√§uschchen geschenkt wurde, machte es den Schenkenden und den Beschenkten sehr, sehr gl√ľcklich. Aber das Schenken von warmen, weichen Fl√§uschchen wurde nie mehr allgemeiner Brauch, denn die Leute hatten kein Vertrauen mehr.

Nur wenige merkten, daß der Reichtum an Fläuschchen unerschöpflich ist und sie keineswegs ärmer wurden, wenn sie einander warme, weiche Fläuschchen schenkten. Eines bemerkten sie auch: Die Schenkenden und Beschenkten hatten weniger Schmerzen und konnten wieder gerade gehen! Den meisten Leuten von Mimo steckte jedoch ein tiefes Misstrauen in den Knochen. Aus vielen Bemerkungen konnte man dieses heraushören:

"Warme, weiche Fläuschchen? Was steckt wohl dahinter?"

"Ich weiß nie, ob meine Fläuschchen auch geschätzt werden."

"Ich habe ein warmes, weiches Fl√§uschchen geschenkt und bekam daf√ľr einen kalten, stacheligen Stein wieder. So dumm bin ich nie wieder."

"Man weiß nie genau, woran man ist: Jetzt ein warmes, weiches Fläuschchen und im nächsten Augenblick einen kalten, stacheligen Stein."

"Ich gebe Dir nur ein warmes, weiches Fläuschchen, wenn ich auch eines von Dir bekomme."

"Ich möchte meinem Jungen wohl ein warmes, weiches Fläuschchen geben, aber er verdient es nicht."

"Manchmal frage ich mich, ob Großvater wohl noch Fläuschchen auf der Bank hat?"

Wahrscheinlich w√§re jeder Mimos gerne zur√ľckgekehrt zu jenen Tagen, als das Schenken und Geschenkt-Bekommen von warmen, weichen Fl√§uschchen noch √ľblich war. Manch einer tr√§umte davon, wie sch√∂n es w√§re, wenn ...

Aber irgend etwas hielt ihn stets davon zur√ľck. Vielleicht der Gedanke daran, "wie die Welt wirklich ist" - oder was die anderen wohl denken w√ľrden, wenn er beg√§nne ...


Der Verfasser des urspr√ľnglichen Originals ist unbekannt.

Die Geschichte der Mimos ist von mir √ľberarbeitet und unter Angabe der Quelle vom Copyright ausgenommen. Kopieren und Weiterverbreiten sind ausdr√ľcklich in meinem Sinne. Bitte schenken Sie vielen Menschen warme, weiche Fl√§uschchen, damit wieder Freude und Liebe unter die Menschen kommt.



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